Vom Zehnten bis zum freien Bauern

Die 750 Jahre alte Historie des Rösslerhofs ist nicht nur bewegt und spannend, sondern gleichzeitig ein Spiegel der Geschichte des südlichen Oberschwabens.

Es begann...

1056 Gründung der Benediktinerabtei durch Welf IV.
1094 Welf IV. erteilt dem Kloster Holzschlag und Schweineweiderechte.
1153 Kaiser Friedrich I. bestätigt dieses Recht nochmals und erweitert es um das Recht von Rodungen.
1274 In einer Urkunde, die beim Besuch König Rudolfs von Habsburg vorgelegt wurde, wird unter den Besitztümern des Klosters Weingarten ein "Praedium Grindeln" aufgeführt.
1296 Das "Gut Grindeln" wird zum ersten Mal als zu den Abteieinkünften gehörig aufgeführt. Er war also ein Lehen des Klosters und gehörte zur Abteiaustsattung. Die 3 Lehensnehmer sind "Herrmann, den man den Spähn nennt", "Conrad, den man Ege nennt" und der "gute Hans oder Heinz". Später ist nur noch vom "Grindelbauer" die Rede. Das Gut war den Belehnten zum Nießbrauch auf Lebenszeit überlassen und wurde in der Regel an den Sohn weitergegeben. Bewirtschaftet wurde neben dem Hof der Rösslerweiher. An das Kloster geliefert werden mussten "6 Gulden, 6 Viertel Hafer und ein Fastnachtshuhn."
16. Jahrh. Der Hof wechselt seinen Namen. In Pfarrbüchern taucht neben dem Namen "Grindeln" zum ersten Mal der Name Rößlerhof und Rößlerweiher auf. Hintergrund für diesen Namen ist die Hanfreibe im nahegelegenen Kehrenberg. Als "Resler" oder "Resen" wurden damals flache Weiher bezeichnet, in denen Flachs oder Hanf vor dem Brechen eingeweicht wurde. Ausbau des Hofgutes Nessenreben zum Sommerschlößchen des Weingärtner Konvents.
17. Jahrh. Der Rösslerhof ist Sitz des Ammanns des Klosteramts. Schlier hat das Recht eine Gastwirtschaft zu betreiben. Die Lehensnehmer Hans Denzler (ab 1600), 1647 Martin Degen bewirtschaften unter anderen den Hof.
1734 Vermutlich Neubau bzw. Wiederaufbau des Wohnhauses.
1742 Johannes Pfleghar ist erwähnt als Lehensnehmer.
1803 Auflösung des Klosters im Zuge der Säkularisierung.
12. Juni 1812 Erste Gerichtssitzung bzw. Gemeinderatssitzung auf dem Rösslerhof. Erster "Oberschultheiss" war Anton Schattmaier. Wer zu diesem Zeitpunkt Eigentümer und Bewirtschafter des Hofes war bleibt unklar.
1826-1867 Familie Bauknecht bewirtschaftete den Rösslerhof.
1867- 1878 Franz Linder mit seiner Frau Franziska geb. Kehrer , Wirt der Gasthäuser "Sonne" und "Kreuz" in Weingarten. Die beiden haben 4 Töchter. Eine der Töchter ist verheiratet mit Oberförster Münst, Tübingen.
1867-1889 Drei anderen Töchter ("Die drei tapferen Mädchen vom Seehof") bewirtschaften unter Vormundschaft des Schwagers Münst den Hof.
1889-1920 Josef Stotz heiratet eine der Töchter (Maria) und wird der Bauer vom Rösslerhof und Betreiber der Gartenwirtschaft. Er modernisierte den Rösslerhof und wirtschaftet sehr erfolgreich. Sein einziger Sohn wird im 1. Weltkrieg schwer verwundet und kann den Betrieb nicht weiterführen. Die jüngste Tochter des Franz Linder, Louise,heiratet 1920 noch auf dem Rösslerhof einen Dr. Köml und verfasst später über Ihre Jugend auf dem Rösslerhof das Buch "Die Störleute", erschienen im Verlag Schwäbischer Bauer.
Sommer 1921 Richard Gregg, Finkabesitzer aus Guatemala kauft den Rösslerhof. Die wirtschaftlichen Probleme der 20er-Jahre zwingen ihn zum Verkauf an den Vaihinger Industriellen Vollmöller. Der Verkauf war allerdings von der Amtskörperschaft nicht genehmigt worden. Vollmüller legt Widersprung bei der Kreisregierung ein, scheitert aber.
März 1922 Das Kloster wird von den Benediktinern wiederbesiedelt und die Mönche haben starkes Interesse, den Rösslerhof zu erwerben. Dies gelingt ihnen auch mit politischer Unterstützung. Preis 40.000 Goldmark oder 3 Millionen Papiermark.
1922- 1979 Die Benediktiner bewirtschaften 50 ha Land mit eigenen Ökonomen und Brüdern. In den 20er- und 50er-Jahren und Anfang der 70er-Jahre wird viel investiert. Der Fösslerhof ist besonders bekannt durch seine Braunviehzucht. Ab Mitte der 70er fehlt der Nachwuchs und der Betrieb gerät wirtschaftlich in Schieflage.
1979-1981 Ein weltlicher Verwalter wird eingestellt, um den Betrieb zu sanieren. Allerdings ohne Erfolg.
1981 Das Kloster verpachtet der Rösslerhof an Albert und Sabine Batzill. Sie stellen den Betrieb auf organisch- biologische Wirtschafweise (Bioland) um und bauen den Rösslerhof Stück für wieder auf. Als der erste Bio-Betrieb im Landkreis Ravensburg und einer der Pionierbetriebe in Europa strukturieren sie den Betrieb um und bauen eine eigene Vermarktung auf. Betriebsgröße 50 ha.
1984 Familie Batzill läßt aus Ihrer Milch bei der Käserei Bauhofer den ersten Rösslerhof-Emmentaler machen. Der erste Biohartkäse auf dem Europäischen Markt. Im Jahr werden ca. 250.000 kg Bio-Milch verkäst.
1989-1999 Die Vermarktung wird weiter ausgebaut. Eine Getreideaufbereitungsanlage mit Dinkelschäle wird gebaut. Ein zweites Standbein zur Milch. Mit dem Bioboom der 90er-Jahre wird die Käsevermarktung gemeinsam mit den ökologischen Molkereien Allgäu (ÖMA) weiter ausgebaut. Es wird eine Milcherzeugergemeinschaft Rösslerhof mit 6 Biolandhöfen aus der Region gegründet. Ca. 1,5 Mio kg Milch werden 1999 zu Käse verarbeitet. Der Betrieb hat jetzt 50 ha eigenes Land und 40 ha Pachtland. 1998 entschließen sich die Batzills aus gesundheitlichen Gründen als Pächter aufzuhören.
1999 Gereon Güldenberg pachtet den Rösslerhof vom Kloster Weingarten. Der Betrieb wird weiter als Biolandhof bewirtschaftet.
2003 Gereon Güldenberg heiratet Bianka Güldenberg. Der Hof hat jetzt eine Gesamtgröße von 130 ha (davon 80 ha Pachtland) und erzeugt 450.000 kg Milch.
2006 Der Rösslerhof wird als Wort-Bildmarke beim Patentamt eintragen und bekommt ein eigenes Logo. Inzwischen werden neben dem Emmentaler auch Bio-Mehle unter dem Namen Rösslerhof verkauft.
2009 Das Benediktinerkloster in Weingarten schließt seine Tore. Bianka und Gereon Güldenberg kaufen den Rösslerhof.
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